Leider wurde daraus nichts. Einige mögen den Roboter, ich war einen Monat mit ihm zusammen. Nun haben wir uns getrennt. Über eBay (manche sagen geschmacklos, ich sage 5% Provision an eBay).
Du weißt sicherlich, wovon ich rede: Googles Android. Im Körper eines HTC Legend. Ich habe es mir als eine billige iPhone Alternative gekauft und wollte es mal ausprobieren. Was soll ich sagen: Es ist in der Tat billiger, aber bestimmt keine Alternative. Denn egal wie gut HTC die Hardware macht (das Legend ist aus Alu und eigentlich sehr solide gebaut), im Alltag bewährt sich die bessere Software und bei Android ist sie nicht annähernd so gut wie bei Apples iOS. Einen Monat lang habe ich den iPod Touch mit dem HTC verglichen.
Ja, ich kann den Verteidigern von Android zustimmen, das Angebot an Apps lässt keine Wünsche offen. Im Android Market gibt es fast alles was man täglich so brauchen könnte. Nur der einzige Hacken: Der Market ist frei und man hat bei vielen Apps ein komisches Gefühl im Magen, wenn man dem Installer sagt: “Ja die App darf auf meine Positionsdaten, Kontaktdaten, Speicherkarte und Netzwerk zugreifen”. Keiner außer dem Entwickler weiß, was die App mit diesen Daten macht und niemand kontrolliert sie. Und so ging es mir bei vielen Apps, sodass ich nach einiger Zeit gar nicht mehr wusste, ob ich dem Telefon noch meine Daten anvertrauen darf.
Das Betriebsystem ist auch nicht besonders vertrauenserweckend: Es kommen Meldungen von den Apps, die ich nicht mal gestartet habe, viele Dienste melden sich automatisch an (Google Talk hat sich ständig angemeldet, sodass ich unterwegs von Menschen angeschrieben wurde, was ich aber nicht wollte).
Ich bin damit zufrieden, dass ein System wie iOS eingeschränkt ist, ich soll ihm vertrauen können. Ich will keine Antivirussoftware auf dem Handy. Außer Sorgen erkaufte ich mir nichts durch die Offenheit von Android. Das Betriebssystem von Google ist zwar Open Source, aber das es durch das Haus von HTC geht, ist man von HTC abhängig. Was die Entwickler von HTC dort einbauen wissen auch nur sie (und auf Googles Updates wartet man dank HTC auch schon einige Monate). Ja, ich könnte eine App schreiben und sie ohne Zustimmung einer Instanz veröffentlichen. Aber ich will keine Apps für mein Telefon schreiben. Das ist ein Argument, was dem Endanwender absolut egal ist. Alles was ich brauche finde ich im AppStore und kann es sehr einfach kaufen. Wie ich bei Android Apps kaufe habe ich nicht mal angeschaut. Dass ich diesem System meine KK oder PayPal-Konto verrate.. Niemals.
Android hat Multitasking. Ja. Aber ich habe fast immer nur erlebt, dass nach dem erneuten Wechsel in die App nicht alles wie vorher war. Und öfters startete die App einfach neu und die mühevoll eingegebenen Daten waren futsch. Der Wechsel der Apps ist ebenfalls ein Rätsel. Und einige laufen im Hintergrund und man kann sie nur auf einem umständlichen Weg aufspüren. Es gibt eine App im Market um Apps zu schließen, aber man muss ja erst wissen, dass es die gibt. Alles so umständlich…
Die Bedienung ist einfach grauenhaft. Das gewohnt einfache und beinahe “natürliche” Wischen mit dem Finger in iOS ist bei Android eine Qual. Man muss sich immer anstrengen, um beim scrollen einer Liste nicht die Einträge zu tippen. Das klappt aber trotzdem nicht immer und besonders in stressigen Situationen (nicht vergessen, wir reden hier von einem Telefon) werden falsche Nummern gewählt, falsche Buchstaben getippt, falsche Apps aufgemacht… Die kleine Lupe, die man in den Eingabefeldern von iOS beim längeren Drücken bekommt, fehlt in Android gänzlich und man muss mit dem Finger an die richtige Position tippen, was jedes Mal eine Herausforderung ist. Und das so simple und man könnte sagen “triviale” wie das Tippen, hat man in Android auch schlecht umgesetzt (oder in iOS gut): Die aktive angetippte Fläche ist in Android direkt unter dem Finger und nicht etwas versetzt wie bei iOS. Dadurch muss man die Buttons und Links sehr präzise treffen sonst tippt man den Nachbar an. Nach einigen Tagen Android war das iOS meines iPod Touchs pures Vergnügen. Unbeschwert und ungenau konnte man herumtippen und es war alles richtig. Wenn man sich konzentriert und auf dem Sofa sitzt, ist der Unterschied in Bedienung nicht sehr bemerkbar, aber als Begleiter im Alltag ist Android einfach zu unreif.
Man muss es einfach ausprobieren. Und dann versteht man, wieso Apple so viel mehr Geld für das iPhone will. Für die Software, für die schlauen Ideen, die umgesetzt wurden, für die einfache und angenehme Nutzung des Telefons. Für einen sichereren App Store. Für mich ist Android keine Alternative zu iOS. Ich verkaufe mein HTC Legend und kaufe mir ein iPhone (sobald es verfügbar wird).
Kannst Du mir wenigstens einen guten Grund für Android nennen?

Pingback: Experiment iPhone 4 aus UK | Leo Lezner